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Die Begegnung.

Um mich herum bunte Lichter,

der tiefe Bass, den ich durch meine Schuhe spüre,

die laute Musik, die in meinem Kopf für eine angenehme Ruhe sorgt,

einige Menschen am Tanzen, manche wippen nur hin und her oder halten sich an ihrem Getränk fest.

Ich tanze mit ihnen und doch ganz allein für mich, fühle mich frei, voller Energie wie lange nicht mehr und bin in diesem Moment eine Version von mir selbst, die ich in mir nicht vermutet hatte.

Sonst schüchtern wie ein Mauerblümchen, bloß nie auffallen, bloß keinerlei Aufmerksamkeit erregen und doch bin ich heute hier allein in einem Club und tanze auf einem Podest, von dem ich von überall gesehen werden kann – von der Tanzfläche, der Bar, der Lounge. Und ich fühle mich wohl dabei. Ich fühle mich wohl in meiner Bewegung, in meinem Sein. Ich vermisse nichts in diesem Moment, habe keine Sorgen und meine einzige Pflicht ist es, diese unglaubliche Energie rauszulassen.
Ein Gedanke lässt mich allerdings den ganzen Abend schon nicht los und so lasse ich meinen Blick wieder schweifen zur Bar, zum Rand der Tanzfläche, zur Tür.

Dort steht er wieder, die Hände in den Hosentaschen, schaut in die Menge, schaut zu mir. Und schaut nicht weg. Beobachtet wie ich tanze, erwidert mein Lächeln, nickt mir anerkennend zu, weil ihm gefällt, was er sieht.

Als ich am Club ankam, ist er mir schon aufgefallen. Meine Schwester und zwei Freundinnen haben dort auf mich gewartet, wir saßen noch eine Weile draußen. Er, Security, kam immer Mal wieder nach draußen und erregte einzig mit seiner Anwesenheit meine Aufmerksamkeit.

Er war sehr muskulös, sein Shirt spannte sich eng über seine breiten Oberarme und Schultern. Seine Brust war von einer Weste verdeckt. Er schaute sich um, die Hände lässig in der Weste. Er strahlte eine Ruhe aus und doch auch eine Art Bedrohlichkeit, welche sich positiv auf seinen Sexappeal auswirkte. 

In diesem Moment war es schon um mich geschehen. Auf dem Weg hierher schrieb ich noch einem Freund, er müsse sich keine Sorgen machen, ich habe keinen Bock auf Flirts, ich will einfach nur tanzen und laute Musik hören. Aber in diesem Moment wusste ich, dass ich die Aufmerksamkeit des Security will und nicht eher ruhen würde, bis ich das geschafft habe.
Wir gingen nach drinnen, auf die Tanzfläche und natürlich positionierte ich mich so, dass ich immer die Tür im Blick hatte, in der er manchmal stand.
Doch in dem Raum war es zu dunkel und ich stand zu weit hinten, sodass ich dort keine Chance hatte, zu sehen, ob er mich überhaupt wahrnimmt.

Nach ungefähr zwei Stunden war bei meiner Begleitung langsam die Luft raus. Sie hatten keinen Spaß mehr, waren müde.
Wir gingen nach draußen, mein Blick wanderte sofort umher, um zu sehen, wo er gerade war – glücklicherweise direkt an der Tür nach draußen. Ich ging langsam an ihm vorbei, schaute tief in seine dunklen Augen und lächelte leicht. Er erwiderte meinen Blick und ich glaube er schaute mir sogar nach.
Ich verabschiedete mich draußen von den Mädels, für mich stand allerdings fest, dass ich noch nicht gehen werde. Meine Schwester war sichtlich besorgt, wo sie mich doch noch nie alleine in einem Club gelassen hat, aber ich benötige längst keine Aufsichtsperson mehr.
Ich ging nach drinnen, bekam diesmal auch ein Lächeln, welches mich mit einem warmen, glücklichen Gefühl übermannte.

Allein auf der Tanzfläche war es im ersten Moment komisch, doch nach einigen Minuten konnte ich mich wieder ganz der Musik hingeben und stellte mich mit zu einigen tanzenden Menschen auf das Podest, wo ich mich sicherer fühlte – hinter mir war eine Wand, von dort konnte niemand zu mir und alles, was vor mir passierte, konnte ich sehen.

Einige Male traf mein Blick den der Security, wir lächelten uns an und jedes Lächeln gab mir Energie und Glücksgefühle.
Als es später wurde und auf der Tanzfläche nicht mehr viele Personen zugegen waren, stand er in der Tür, fixierte mich und meine Bewegungen. Als ich mich zu ihm drehte, gab er mir mit einer Kopfbewegung zu verstehen, dass ich zu ihm kommen soll. Ich zögerte nicht, steuerte auf ihn zu.

Ihm so nah gegenüberzustehen, ohne dass das gerade Zufall war, sondern weil er es wollte, trieb meinen Puls in die Höhe. Ich versuchte mutig zu sein, ihm zu sagen, wie gut er aussieht und er mir schon den ganzen Abend aufgefallen ist. Er sagte mir, dass ich mich gut bewege, ihm das gefällt. Dass ich sexy bin. Und es war einfach schön, Mal wieder so etwas zu hören.
Nach einem kurzen Gespräch ging ich erstmal wieder zurück auf die Tanzfläche, musste überlegen, was ich noch hätte sagen sollen, und musste die ganze Situation verarbeiten. Meinem Selbstbewusstsein hat es jedenfalls sehr gutgetan.

 

Es verging noch eine Weile bis auch meine Füße müde wurden, ich meine Sachen holte und ging.
Als ich den Eingangsbereich betrat, in dem er war, stand er auf, fragte, ob ich jetzt gehe. Er breitete die Arme aus, deutete eine Umarmung an, machte aber keinen Schritt auf mich zu – er ließ mich entscheiden, ob ich das erwidern möchte. Und natürlich wollte ich das!

In der Umarmung sagte er, er hoffe, dass wir uns wieder sehen. Ich verabschiedete mich mit einem „Das werden wir. Hoffentlich bald.“ Und wankte die Treppe nach unten, überwältigt von meinem eigenen Mut, von den Glücksgefühlen des Abends, von seiner Aufmerksamkeit.

Ich wusste, es war um mich geschehen und es gab kein Zurück mehr.

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